Filmtipps

Jörg's Filmtipps im August

Rassismus und die damit verbundene Ausgrenzung und Unterdrückung sind vermutlich so alt, wie es entwickelte Kulturen auf diesem Planeten gibt. Wenn man selbst zum gesellschaftlichen Mainstream gehört, könnte man in diesen „aufgeklärten“ Zeiten meinen, dass sich dieses Thema bis auf ein paar Spinner weitgehend erledigt hätte – doch dann passiert etwas, wie der Totschlag an George Floyd und wirft die Frage auf, was sich bislang wirklich erledigt hat. Der mediale Hype verpufft dann aber meist so schnell, wie er gekommen ist, ohne dass es zu einer nachhaltigen Veränderung kommt. Die drei Filme dieser Ausgabe sollen das Thema noch etwas in deinem Kopf bewegen und vielleicht die eine oder andere Perspektive hinzufügen.

Frisch erschienen, in diesem Jahr Oscar-nominiert und mit Cannes-Palme ausgezeichnet, ist Die Wütenden – Les Misérables (DVD & VOD) von Ladj Ly. Im Pariser Vorort Montferneil ereignet sich ein „Unfall“, als die Polizei meint, mit aller Härte durchgreifen zu müssen. Viele Nebenschauplätze und beteiligte Personen werden wie Nebelkerzen in die Geschichte geworfen, die sich aber mit jeder vergangenen Filmminute umso klarer zeigt und uns die Augen öffnet, für das was jeden Tag um uns herum passiert. Nicht unwichtig: modern und temporeich inszeniert – es kommt nie Langeweile auf.

Beale Street (DVD & VOD) von Barry Jenkins („Moonlight“) ist vordergründig eine schöne, etwas melodramatische Liebesgeschichte. Erzählt aus der Perspektive der jungen Tish, die mit ihrem Freund dem Bildhauer Lonny zusammenziehen wollte. Der landet wegen einer Auseinandersetzung mit einem Polizisten im Gefängnis. Der Film erzählt vom Davor und von den rechtlichen Möglichkeiten als Schwarzer in einem „weißen“ System. Nicht unwichtig: Zusätzlich zu den tollen Schauspielern, spielen Bilder, atmosphärische Dichte und Musik weitere Hauptrollen.

Kein Platz mehr – letzter Tipp: Mudbound von Netflix. Beleuchtet wird das Zusammenleben armer Weißer mit noch ärmeren Schwarzen in den Südstaaten Mitte der 40er Jahre. Es steht die Frage im Raum, ob der „gute“ Kerl noch einer ist, wenn er in seinem Umfeld viele schlimme Dinge kommentarlos geschehen lässt.

Jörg Schmidt (Imker und Filmkenner)

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