theater

"Unter die Haut" – Ein Galaabend des Musiktheaters (auch 19.30 h)
30.10, 19:30 h, TL, Großes Haus

 

Auf der aktuellen Titelseite sehen wir eine grafische Arbeit des in Graz geborenen Künstlers Niki Passath, der aufgrund der aktuellen dramatischen Situation(en) durch die Corona-Pandemie, insbesondere auch für die Theater, in einer Auftragsarbeit die neue Spielzeit des Lübecker Musiktheaters künstlerisch darstellen sollte. ultimo hatte die Gelegenheit, dem Künstler etwas zur Entstehung und zu der Umsetzung zu entlocken. (Foto © Galerie Heimo Bachlechner)

Wie kam der Kontakt zum Theater Lübeck zustande?
Der entstand über meine Wiener Galerie Lukas Feichtner. Der Operndirektor und Generalmusikdirektor Stefan Vladar erläuterte mir bei unserem ersten Kontakt die Situation des Theaters, anschließend entwickelten wir gemeinsam mit dem Künstlerischen Betriebsdirektor eine Vision für das Kunstwerk. Hierbei entstand die Idee, die Überwucherung und das Überfahren des eigentlich vorgesehenen Spielplans durch die Covid19-Pandemie visuell darzustellen.

Wie lautete Ihr Auftrag?
Ich sollte ein Plakatsujet entwickeln, das die drastische Situation, in der sich das Theater Lübeck aufgrund der Corona-Pandemie befindet, thematisiert und zugleich die Konsequenzen für das Programm, das heißt weg von großen, prallen Bühnenwerken, hin zu kleinen Geschichten über menschliche Abgründe.

Wodurch haben Sie sich inspirieren lassen? Welche Einflüsse fanden Eingang in das Werk?
Einerseits haben mich die bestehenden Piktogramme inspiriert, stellvertretend für das ursprüngliche Programm, andererseits die Sternform des Coronavirus, diese als Repräsentant für das Alternativprogramm, die die ihre Spuren hinterlässt.

Mit welchem Material haben Sie gearbeitet?
Bei dem farbigen Hintergrund handelt es sich um Öl auf grundiertem Baumwollgewebe. Die Piktogramme sind gedruckt, für die Spuren verwendete ich Acrylfarbe. Der Roboter, der die Coronakrise symbolisiert und das Bestehende überrollt, ist teils in 3D gedruckt und eigens für diesen Zweck gemacht.

War es eine Herausforderung, die Spielzeit 20/21 des Musiktheaters rein visuell darzustellen?
Da ich im Alter von 11 Jahren mit dem Studium des Violoncellos an der Musikuniversität in Graz begonnen habe, begleiten mich die klassische Musik und die Oper schon fast mein ganzes Leben lang. Zwar habe ich mit der Volljährigkeit die professionelle Musikwelt verlassen, dennoch war mir das ursprünglich geplante Spielzeitprogramm natürlich ein Begriff. Anders beim neuen Spielplan. Da war schon etwas Recherche notwendig, um die entsprechende Stimmung verstehen und darstellen zu können. Die Herausforderung bestand für mich darin, sowohl diesen krassen Gegensatz zu thematisieren und dennoch das Gemeinsame sichtbar zu machen. Wichtig war mir auch die Stimmung, die die Coronakrise ausgelöst hat, einzufangen und mitschwingen zu lassen.

BIOGRAFIE

Niki Passath beschäftigt sich in seinem künstlerischen Schaffen mit dem Geheimnis des Lebens, insbesondere mit den Menschen, deren Emotionen, seinem sozialen Verhalten – gegenüber Maschinen und der umgebenden Natur. Dabei berührt er unterschiedliche Disziplinen, von Robotik über die Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz bis zu Physik und den Lebenswissenschaften.

Auf verschiedenen Forschungsreisen konnte er Antworten finden, welche er mittels kinetischer Objekte, Skizzen, Skulpturen und Fotografien künstlerisch umsetzt. Niki Passath drückt sich mittels unterschiedlicher Materialien, Medien und Technologien aus und sucht immer neue Herausforderungen in formaler und inhaltlicher Sicht. 1988 begann er mit dem Violoncello-Studium, 1995 mit Architektur und diplomierte 2004 in digitaler Kunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Von 2004-2018 war er als Assistent und Universitätslektor tätig. Niki Passath ist Preisträger des Kunstförderungspreises der Stadt Graz 2018 und Mitglied im Wiener Künstlerhaus. (Foto © Niki Passath)

 

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